Edition Reformierter Bekenntnisschriften | Andreas Mühling

Die „Edition Reformierter Bekenntnisschriften“ hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 1928 fasste der Deutsche Evangelische Kirchenausschuss auf Anregung des Kirchenbundesamtes den Beschluss, die evangelischen Bekenntnisschriften herauszugeben.

Mit Blick auf die Feierlichkeiten zum Augustana-Jubiläum 1930 wurde die Arbeit an den lutherischen Bekenntnisschriften forciert; 1930 erschien den auch fristgerecht der Band mit den edierten lutherischen Bekenntnisschriften. Für die reformierten Bekenntnisschriften hingegen gestaltete sich das Verfahren weitaus schwieriger: Nach mehreren Anläufen und jahrelangen Vorarbeiten konstituierte sich im Januar 1976 ein zunächst beratend wirkender Kreis reformierter Hochschullehrer, der neue Konzeptionen für eine Edition erarbeitete und seit der Bildung eines im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) arbeitenden Herausgeberkreises im Jahr 1979 die Arbeit übernahm.

In ausführlichen Diskussionen wurden die Ziele der Edition und die Kriterien für eine Aufnahme von Texten herausgearbeitet. Die Edition will – wie es im Vorwort zu Band 1/1 heißt – „in größerer Breite als je zuvor einzig in einer historisch-chronologischen Linie die Entwicklung reformierten Bekennens, wie es sich in den unterschiedlichsten Texten niederschlug, erfassen.“ Besonders wichtig: Die Edition sucht die reformierten Kirchen in ihrer Internationalität zu erfassen. Aufgenommen wurden bis zum Jahr 1675 solche Texte, die entweder obrigkeitlich und/oder kirchlich approbiert wurden; dabei gilt es, möglichst die früheste Fassung dieses Bekenntnistextes in ihrer Originalsprache kommentiert wiederzugeben. Eine Einleitung, die in die historischen Bezüge hinweist und theologischen Merkmale dieses Textes aufzeigt, rundet die Darstellung jeweils ab.

Zahlreiche Bearbeiterinnen und Bearbeiter und ein sich regelmäßig konsultierender Herausgeberkreis leisten dafür Sorge, dass seit 2002 regelmäßig im Neukirchner-Verlag Teilbände dieser Edition erschienen, zuletzt 2012 der Band 3/1, der die Bekenntnisbildung der europäischen Kirchenfamilie der Jahre 1570 bis 1599 in den Blick nimmt: Bearbeitet wurden unter anderem der „Consensus Sendomirensis“ (1570) wie die „Confessio Bohemica“ (1575/1609) oder die „Confessio Scotica posterior“ (1581). Abgeschlossen wird der Band 3, genauer gesagt, der Teilband 3/3, mit der „Helvetischen Konsensusformel“ von 1675, die zugleich auch den Abschluss der frühneuzeitlichen Bekenntnisbildung markiert. Die Arbeiten an den Teilbänden 3/2 und 3/3 sind im vollen Gange, mit ihrem Erscheinen kann im nächsten Jahr gerechnet werden.

In intensiven Diskussionen hat sich der Herausgeberkreis einmütig dazu entschieden, in einem Band 4 die reformierte Bekenntnisbildung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts darzustellen; ein Kanon von kirchlich approbierten Texten wurde beraten und beschlossen.

Andreas Mühling – Professor für Evangelische Kirchengeschichte, Universität Trier

Numer 2(2) 2013, 18.06.2013